Ajaccio-Calenzana, Corse, France

Übernachtung inklusive Frühstück bei Horst!

Nachdem wir gestern Abend bei Horst noch zumindest die zweite Halbzeit des Viertelfinales Deutschland - Griechenland schauen konnten und den Sieg mit ein paar Dosen brandneuem Pietra "Bionda" begossen haben, hat uns Horst heute morgen ein luxuriöses Frühstück gezaubert. Wir haben das Frühstück mit einem kleinen Kuchen garniert, Horst hat heute Geburtstag, er wird 77, nochmal Alles Gute an dieser Stelle!



So, jetzt noch in der Hitze 3:30h mit dem Bus nach Ajaccio, die Fremdenlegion kommt auch gerade zum Bus marschiert, die fliegen tatsächlich auch morgen früh nach Basel. Dann nen schönen Zeltplatz gesucht, schnell das Zelt aufstellen und nach Möglichkeit ne coole Bar mit TV suchen, ne Kleinigkeit essen und zuschauen wie Quechualand aus der EM fliegt und dann laut Viva Espagna rufen!



Unser letzer Abend, unsere letzte Nacht, wir marschieren die Hügel hoch über der Stadt zum Campingplatz "Camping Les Mimosas", der Einzige hier direkt in der Stadt. Ob der Name für uns eine Bedeutung hat, wo wir doch eigentlich gerade das Gegenteil unter Beweis gestellt haben? Die Dame an der Rezeption teilt uns einen Zeltplatz zu und wir bauen unser Zelt auf. Die Plätze sind ordentlich eingeteilt und durch Hecken getrennt, wie es der Deutsche Durchschnittsurlauber und auch der Durchschnittsquechua erwarten würde. Für unseren Abschiedsabend haben wir noch eine Flasche Wein gekauft, die wir in Ermangelung eines Korkenziehers, leider nur anstarren aber nicht trinken können. Ich schaue also um die (H)Ecke um nach einem Korkenzieher zu fragen, und wer schaut mich ganz überrascht an? Die zwei Belgier, die mich mehr oder weniger schon den ganzen Nordteil begleitet haben, sie waren die Einzigen, die außer mir wohl auch die mörderische Monte d'Oro Tour gemacht haben. Ich hatte sie ab Vizzavona aus den Augen verloren, da sie ja keinen Tag Pause hatten. Tja, so klein kann die Welt sein.

Ajaccio Aéroport de Campo


Tja, jetzt sind wir auf dem Flughafen in Ajaccio und warten auf unseren Check-In. So schnell sind 18 Tage vorbei, 18 Tage voller Eindrücke, Erlebnisse, Bekanntschaften, Grenzerfahrungen, widriger Umstände und glücklicher Fügungen, wie sie kein Pauschalurlaub bieten kann. Oder kann mir mal jemand davon berichten wann er sich, wie ein kleines Kind an Weihnachten über einen Schluck Wasser gefreut, oder einfach nur wegen ein paar seltsam aufeinander liegenden Steinen so überwältigt war, dass es ihm schwerfiel eine ärztlich beglaubigte, ordentlich Atmung zu Stande zu bringen. Oder einem mit einem, breiten, allerdings schiefgezahnten Lächeln verkauften einfachen Stück Käse, so ein Grinsen ins Gesicht gemalt wurde, dass in der normalen Welt alle einen riesen Bogen um einen gemacht und ihre Kinder beim passieren näher an sich herangezogen hätten, weil sie offensichtlich der Meinung gewesen wären, der Typ kann nur vollends verrückt sein.

Im Anfang bei den ersten, zugegebenermassen schwersten Etappen, hatte ich ein bisschen Zweifel, ob die Vorbereitung, das Training doch evtl. zu wenig, zu schwach, zu leicht genommen gewesen sein könnte. Allerdings wächst man auch an seinen Aufgaben, und nur wer nach vorne geht, kann weiterkommen. Nach nun knapp 200 km, Fußmarsch in teils schwierigstem Gelände, im Kampf mit Wind und Kälte, brennender Hitze, Kletterpartien, bei denen mir selbst teilweise mulmig wurde, wundere ich mich über mich selbst, ich wundere mich was ein Mensch zu leisten vermag, wenn er nur will. Denn trotz aller Strapazen fühle ich mich pudelwohl, ich habe außer ein paar Kratzern keinerlei Wewehchen, Beschwerden, Schmerzen, ja ich fühle mich sogar deutlich besser als vor dem Trip. Ich könnte noch sonst wo hin laufen, und ich weiß, ich war noch lange nicht an meiner Grenze. So gut wie mein Körper das verkraftet hat (ich bin selbst überrascht), könnte ich, ja kann ich noch ganz andere Touren machen. So gut fühle ich mich nach diesem Trip, auch wenn ich einmal an einen Punkt war, an dem ich am liebsten aufgegeben und die Bergwacht gerufen hätte, um schön bequem nach Hause zu gehen, so gut fühle ich mich, weil ich völlig alleine nur auf mich selbst vertrauend den Mut gefasst habe, mich aufgerafft habe, und diesen mühsamen Berg, der sich mir in den Weg gestellt hat, letztendlich doch überwunden und überquert habe. Solche Erfahrungen sind es, an denen wir wachsen können, aber wir müssen sie eben auch angehen und anpacken!

Ich freue mich und bin stolz darauf, mir selbst diese Aufgabe gestellt und sie auch bewältigt zu haben, immerhin gilt der GR 20 nicht umsonst als der härteste und schwierigste Fernwanderweg Europas, und ich habe ihn geschafft, von Nord nach Süd und zwar in einem Stück!


Grins!

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